Mystischer Realismus

Der Mystische Realismus setzt an einem anderen Punkt an: er entzieht sich bewußt der gesellschaftlichen Verdichtung und sucht jene Schwellenräume, in denen das Sichtbare ins Transzendente überfließt. Realität wird hier nicht als erklärbares System verstanden, sondern als permeable Membran zwischen Immanenz und metaphysischer Ahnung, zwischen Glauben, Wunschdenken und Erfahrung.

In diesem Kontext trete ich nicht als Regisseur auf, sondern als Suchender – oder, im bildästhetisch im Sinne der Romantik, als Wanderer: als Vermittler zwischen Landschaft und Mensch, Inner- und Äußerlichkeit, mit Hingabe zu spiritueller Erleuchtung und Übernatürlichkeit. Diese Malerei verweigert sich der linearen Narration und Zeit wird dechronologisiert und in einen Zustand gedehnter Gegenwärtigkeit überführt – entschleunigt, angehalten, eingefroren – um den Moment der Stille, der einzig durch die Geräusche des Waldes versüßt wird, zu zelebrieren.

Landschaften erscheinen als bukolische Projektionsräume und Sehnsuchtsorte – als loci desiderii – Orte der Einkehr und der seelischen Rückbesinnung. Auch dort, wo sie realistisch anmuten, sind sie nie rein mimetisch: subtiles Geraschel im Unterholz – Ikonen, Tiere, Lichtquellen, Briefstücke, Wodkaflaschen – öffnen eine zweite, transzendente Ebene, in der das Bild seine referenzielle Bindung an die Wirklichkeit verliert und zu einem selbständigen Erfahrungsraum wird.

Realismus fungiert hier als Schwelle und nicht als Ziel, denn er verankert den Blick, um ihn zugleich zu überschreiten. Symbole sind nicht immer archetypisch, universell kodiert im Sinne eindeutiger Lesbarkeit, sondern zuweilen auch neologistisch und polysem. Der Betrachter ist kein Analytiker mehr, sondern ein Kontemplierender, ein Neugieriger, der eingeladen ist, sich im Bild zu verlieren und in der Verlangsamung des Sehens eine Form von Erkenntnis zu erfahren.

Das große Format ist in diesem Zusammenhang nicht Ausdruck von Monumentalität, sondern von Immersion: die Bilder wollen betreten, durchschritten, erfahren werden. In ihnen artikuliert sich eine romantische Sehnsucht nach Sinn, nach Erleuchtung, nach einer Ordnung jenseits des Rationalen. Der Theatrische Realismus ist daher nicht bloß eine Form des Eskapismus, sondern vielmehr der Versuch, dem Sichtbaren jene Tiefe zurückzugeben, die es im Lärm der Welt verloren hat.